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Totholz
Das Totholz im Wald ist ein ganz eigener Bereich, der zum Beobachten und Nachdenken anregt. Nirgendwo ist das Leben vielfältiger als hier, wo der Tod für jeden so sehr sichtbar ist.
Vom Sturm zerzaust, geknickt, zerbrochen steht diese alte Fichte am Rande des Waldes. Wind und Sonne haben sie gebleicht, nur langsam wird sie von den Unbilden der Witterung zersetzt - der sonnige Standort erlaubt den Pilzen nicht, ihre zersetzende Wirkung voll zur Geltung kommen zu lassen. Nur holzbewohnende Insekten können ihr zusetzen - sie wärmen sich an der Sonne, laufen auf der warmen Rinde, und der Specht sucht den Baum regelmäßig heim und bohrt große Löcher auf der Suche nach Nahrung.

Der Nationalpark Bayrischer Wald war lange Zeit Schreckgespenst der Waldbauer und Forstleute. Riesige Monokultur-Waldflächen fielen - nach erfolgter Erstschädigung unter anderem durch Luftschadstoffe - dem unbarmherzig nachstoßenden Borkenkäfer zu Opfer.

Inzwischen regt sich überall am Boden das lebendige Grün und bildet den Beginn eines neuen, gesünderen Waldes durch seine natürliche Artenmischung.
Lange Jahre dauert es bis ein großer Baum bis an seine Grundfesten zernagt, zerlegt und wiederverwertet ist. Viele Generationen von Tieren und Pilzen sind hierfür notwendig.
Jene Baumleichen, die in der Sonne stehen, trotzen besonders lange der Zersetzung ....
Wenn die Rinde verschwunden ist, wird das Muster der ehemals darunter Wohnenden und sich entwickelnden Insekten, meistens Käfer, sichtbar. Es stellt die ins Holz gefressenen Gänge dar, die die Larve im Zuge der Entwicklung anlegt. Das Wachstum der Larve ist an den immer dicker werdenden Gängen gut ablesbar.
In den Augebieten der Donau geht der Zersetzungsprozess aufgrund der höheren Feuchtigkeit viel schneller vor sich - dennoch dauert alles seine Zeit und noch viele Jahre kann man den Prozeß beobachten ...
An warmen Standorten trotzen die alten Stämme lange der zersetzenden Wirkung ...
Totes Holz birgt jede Menge junges Leben.
Die Baumstrünke bieten den jungen Bäumchen optimale Lebensbedingungen.
Stämme, die von innen her faulen, bilden wiederum ganz spezielle Lebensräume aus - in diesem Fall hat sich auf dem Moder im schattigen, feuchten Innern Sauerklee angesiedelt.
Gestürzte Riesen sorgen oft für kleinräumige Unzugänglichkeit und sorgen so für ein geschütztes Aufkommen von Jungwuchs.
Hier sind die Insekten sofort ins Innere des Stammes gegangen - in die Gänge können in Folge Pilze eindringen und das Werk des Zerlegens fortsetzen.
An feuchten Standorten werden alte, tote Buchen von Zunderschwämmen besiedelt ... Moose und Flechten nutzen die alte Borke als Lebensraum. Und im schon stark zersetzten Holz sind nur mehr wenige Käfer in der Lage, noch Nahrung daraus zu beziehen, was sich in einer bis zu 5-jährigen Entwicklungszeit niederschlägt.
An den Schnittflächen haben sich Schwämme angesiedelt, die ein gefälliges Muster bilden, welches schon von weitem den Blick auf diese kleinen Kunstwerke der Natur lenkt.
Am feuchten Boden überziehen Moospolster die gestürzten Baumleichen ...
... während am besonnten Waldboden eine trockene Verrottung stattfindet.
Hier hat der Specht seine Futterkiste ...
... während der Winter Schneeskulpturen aus den alten Stämmen zaubert.
Im dunklen Unterholz sind die alten Stämme grün überzogen ...
... während in Kammnähe der Schwarzspecht seine Höhlen in den Stamm zimmert.
Junger Bewuchs klammert sich an die Stammreste, hebt sich vom Boden der Sonne entgegen um einen kleinen Vorteil gegenüber er Umgebung herauszuschinden ...
... und auf liegenden Bäumen bilden diese jungen Bäume ganze Zeilen, die später in einer korrekten geraden Linie nebeneinander stehen werden.
Stürme stürzen die Bäume, indem sie auch ihre kompletten Wurzelteller aus dem Boden reißen, die aufgrund der Härte des Wurzelholzes besonders langsam verrotten.
Auf den Windumtosten Kämmen und Graten kämpfen die Bäume ihr ganzes Leben - ums Überleben. Immer wieder wird versucht hier Fuß zu fassen - und immer wieder mißlingt es, bis eines Tages vielleicht irgend ein Umstand die Situation ändert.
Wird der Wald durch forstwirtschaftliche Eingriffe am Rand dem Wind preisgegeben, kommt es oft in der Folge zu Borkenkäferkalamitäten, das heißt zu einer Massenvermehrung von Borkenkäfern, die in der Umgebung von einem Zentrum ausgehend auch gesunde Bäume befällt und diese zum Absterben bringt ....
Oft hilft hier nur der rigorose Baumschnitt, um ein weiteres Umgreifen zu verhindern ...
Bewundernswert ist die Fantasie der Natur wenn es ums Überleben geht ...
Viele Arten von Pflanzen können Totholz bewohnen und nutzen ....
Baumstümpfe von ehemaligen Holznutzungen können nur sehr langsam dem natürlichen Kreislauf zugeführt werden. Die glatten Schnittflächen verhindern ein rasches Verwittern.
Baumschwämme in Verbindung mit Moosen besiedeln ein Holzstück am feuchten Boden.
Ein Rundblick vom "Lusen" im Nationalpark Bayrischer Wald - rundum abgestorbene Bäume. Nur wer näher herangeht, wird bemerken, daß der Wald schon wieder förmlich explodiert vor neuem Leben , neuem Bewuchs und neuer Dynamik. Es wächst ein wesentlich gesünderer Wald nach ....

 

 
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