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Was der Tod hinterläßt

Natur ist für uns manchmal grausam, unverständlich. Aber alles hat seinen Sinn, alles seine Bestimmung im großen unergründlichen Netz von Leben und Sterben, von fressen und gefressen werden. Auch diese Spuren lassen Einblicke zu ins riesenhafte System der Tier- und Pflanzenwelt. Aber oft werfen diese Spuren nur weitere Fragen auf und nicht alle Antworten erhält man darauf.

Dennoch sollte man sie beachten, zu deuten versuchen und ... akzeptieren, daß Geheimnisse auf immer Geheimnisse bleiben werden!

Ein sinnloser Tod? Diese Frage stellt sich beim ersten Hinsehen. Seltsam sind die Umstände des Fundes: kein Baum, kein Ast direkt über dem Fundort - also einfach aus dem Nest gefallen zu sein, scheidet aus. Der Körper ist aber scheinbar unverletzt - vielleicht hat ihn ein Nesträuber nach der Entnahme aus dem Nest verloren? Vielleicht wurde dieser wegen seiner Beute oder wegen Unachtsamkeit selbst gehetzt durch einen Größeren?

Die scheinbare Sinnlosigkeit des Todes wird gemildert durch die Anwesenheit von Ameisen, die sich bereits um den kleinen Körper kümmern, ihn zersägen werden in kleinste Teile - um selber damit ihre so nützliche Brut aufzuziehen ...

Nur ein Schulterblatt und wenige andere Knochenreste liegen achtlos in der Wiese, verklebte Fellstücke verwischen die Konturen.

Zeugen irgendeines stillen Dramas schon vor längerer Zeit. Die zarten Hufe zeigen daß hier ein junges Reh sein Leben gelassen hat. Die Füchse haben den jungen Körper fast restlos vertilgt, verschleppt - auch sie brauchen Nahrung für die Jungen, die unser Entzücken auslösen, wenn wir sie in der Sonne herumtollen sehen .... wer denkt da noch an das kleine Reh ..... und seine Bestimmung? ...

Gestern lag es noch nicht da - heute sind nur mehr Teile des Körpers und ein Hinterlauf vorhanden. Kampfspuren in unmittelbarer Nähe zeigen die Attacke gleich von mehreren Füchsen auf das im tiefen Schnee wehrlose Reh. Abgebissene Triebe an den nahen Haselnußsträuchern zeigen, daß es harmlos an der Böschung seinen Hunger stillte - bis an die Flanken im Tiefschnee stehend.

Leichte Beute für die wegen der wochenlangen grimmigen Kälte ausgehungerten Füchse. Die sternförmig wegstrebenden Spuren zeugen von bis zu fünf Füchsen, die den Körper - wild daran herumzerrend - in freßgerechte Happen zerlegten ...

Fast wäre es unbemerkt geblieben, wären da nicht diese leuchtend gelben Flecken im roten Teppich des Herbstlaubes gewesen.

Vom weißlichgrau gefärbten Geflecht zersetzender Pilzfäden überzogen ist das dunkle Etwas ohne feste Umrisse. Nur diese gelben Flecken auf schwarzem Grund weisen uns in die richtige Richtung: Ein Feuersalamander hat sich hier verkrochen, um sein Leben zu beenden - der Wind, vielleicht das Wasser nach einem Regenguß, vielleicht der Schritt eines anderen Wanderers hat das verdeckende Laub verschoben und dieses kleine Sterben für unser Auge bemerkbar gemacht...


Plötzlich liegt der untere Teil des Laufes eines Rothirsch mitten am Weg - was will, was kann er uns erzählen?

Die verbliebenen Knochen abgenagt, nur die Hufe - Schalen sagt der Waidmann dazu - und etwas darüber befindliche Haut und verklebte Fellreste blieben übrig. Daneben noch ein Knäuel Fell - sonst ist nichts mehr übrig vom ehedem stolzen König des Hochwaldes, wie ihn alte Heimatdichter früher bezeichneten.

Heben wir den Blick empor und betrachten das umliegende Gelände, so wird das Drama ersichtlich: Eine Lawine, die aus dem scheinbar ungefährlichen, weil bewaldeten Hang gleich oberhalb der Forststraße abrutschte, bedeutete den Tod für das Tier. Im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für die Füchse oder auch anderes Getier, das sich an den sterblichen Resten den Wanst vollschlug und so den Winter überleben konnte ...

Die Lehre daraus:
Auch in harmlos scheinenden, nur mäßig steilen und sogar mit Bäumen bewachsenen Hängen lauert der Tod - auch für uns menschliche Wanderer.
Ich habe mir die Dichte des Bewuchses und die Neigung genau angesehen und gut eingeprägt.

Alles das erzählt und bewirkt der Hirschlauf am Weg ....


Hunderte von Schafen streifen durch die Kreuzeckgruppe in Kärnten umher. Und immer wieder findet man Reste von verunglückten Tieren - manche wegen gebrochener Gliedmaßen verendet, manche vom Blitz erschlagen, manche von Krankheit oder Ungeziefer befallen und entkräftet.

Dieses fast gänzlich abgenagte, bis auf die fehlenden Vorderbeine fast komplette Skelett fand ich beim Abstieg vom Stagor, einem Gipfel im Bereich des Drautals. Da es schon stark dämmerte, beschloß ich am nächsten Tag noch einmal wegen eines Fotos unter besseren Bedingungen aufzusteigen.

Erst nach längerem Suchen fand ich das Gerippe abermals. Irgendetwas hatte es in der Nacht fast 100 Meter talwärts verschleppt - trotz genauer und intensiver Nachsuche gab der hierfür doch zu grobe Schotter am neuen Lageort keine Anhaltspunkte preis. Der Tau ließ nur den Schluß zu, daß noch vor Beginn des Taufalls die Verschleppung stattgefunden hatte.

Direkt am Gipfel der Lenkenspitze in der Kreuzeckgruppe, zwischen Stagor und Salzkofel gelegen, kommt es nach Berichten von Hüttenwirten und Almbauern immer wieder zu Unfällen von Tieren durch Gewitter und Blitzschlag.

Die Überreste sind überall ohne besondere Nachsuche zu finden - die dort noch vorkommenden Gänsegeier und auch der manchmal zu sehende Bartgeier finden hier immer einen reichlich gedeckten Tisch.

Der Schädel eines Schafes am Weg in einem Taleinschnitt zwischen Grakofel und Salzkofelhütte, in der Kreuzeckgruppe gelegen. Schon lange scheint er hier zu liegen, ausgebleicht und mürbe, weithin leuchtend in der Mittagssonne. Unbeachtet von allem nagt die Zeit an ihm, zerlegt Schritt um Schritt den Knochen, perforiert, zersplittert ... bis er schließlich zu Staub geworden sein wird.

Im dichten Unterholz helle Flecken - einige graue Federn liegen herum - der Rest eines Beckenknochens. Eine Taube hat hier ihr Schicksal ereilt in Form eines gefiederten Räubers. Einkerbungen an den Federn deuten auf einen rupfenden Schnabel eines Greifvogels, wahrscheinlich eines Habichts.

Die genaue Nachschau trägt Früchte: Zwei Ringe tauchen zwischen den Federn auf mit buchstaben und Ziffern!

Die Recherche im Internet ist erfolgreich und einem ungarischen Brieftaubenzüchter kann die Botschaft übermittelt werden: Er braucht auf seine Taube nicht mehr zu warten!

 

 
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